Edvard Munch

Meisterblätter

1. Mai bis 10. Juli 2022
Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus

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Die Ausstellung der Internationalen Tage widmet sich 2022 dem norwegischen Künstler Edvard Munch. Der 1863 geborene Munch entwickelt sich schnell zu einem der bedeutendsten und einflussreichsten Maler und Grafiker der frühen Moderne in Europa.

Nach einem kurzen Kunststudium in Christiania (heute Oslo) zieht es ihn 1889 erstmals nach Paris, wo er sich mit dem Symbolismus des ausgehenden Jahrhunderts auseinandersetzt. Persönliche Schicksalsschläge wie der frühe Tod der Mutter und einer Schwester aber auch unglückliche Beziehungen zu Frauen prägen schon früh Munchs künstlerisches Werk. So ist die Beziehung der Geschlechter mit den Facetten von Glück und Angst, Erwartung und Sehnsucht Grundthema seiner Kunst, die sich nach der Wende zum 20. Jahrhundert mehr und mehr vom Symbolismus löst.

Munch entwickelt nun eine eigene psychologische Bildsprache zwischen tief empfundener Melancholie, Einsamkeit und Todesangst. Als diese Werke erstmals 1892 in Deutschland im Verein Berliner Künstler in Berlin ausgestellt werden, lösen sie einen Skandal aus, der zur Schließung dieser Ausstellung führt. Gefeiert von der jungen Generation von Künstlern, Literaten und Intellektuellen begründet sich so Munchs großer Einfluss nicht nur auf die bildende Kunst in Deutschland.

Neben der Malerei entsteht seit 1894 weitgehend autodidaktisch ein sehr umfangreiches druckgrafisches Werk, das die Themen der Gemälde aufnimmt. In ihrer technischen Perfektion und den einzigartigen Experimenten, unterschiedliche Druckverfahren miteinander zu kombinieren, wird Munchs druckgrafisches Werk zu einem künstlerischen Höhepunkt in diesem Genre.

Anhand von ca. 90 oftmals farbigen Werken – Radierungen, Lithografien, Holzschnitte und Hektografien – zeigt die Ausstellung einen Überblick über das Werk von Edvard Munch. Auf die Räumlichkeiten im Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus zugeschnitten, werden fünf motivisch bzw. thematisch ausgerichtete Räume entstehen.

Beginnend mit dem Geschlechterverhältnis von Mann und Frau, von Männerfantasien über die Annäherung und die innige Liebe bis hin zu Trennung und dem gemeinsamen Tod, wird hier ein Bogen des Lebens visualisiert. Zusammen mit den Selbstporträts zeugen die Bildnisse der Literaten wie Henrik Ibsen und August Strindberg oder des Komponisten Delius Munchs enge Verbindungen in andere künstlerische Bereiche. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Melancholie und Einsamkeit von Menschen, sowohl in Innenräumen wie vor der offenen Meereslandschaft, wobei diese zum tiefgründigen Ausdruck der menschlichen Seele werden.

Das Seelenleben ist auch zentrales Thema in den Werken, die sich mit Angst, Krankheit und Tod auseinandersetzen, wobei das Motiv des kranken Kindes im Mittelpunkt steht. Am Ende stehen die Überhöhungen in den Darstellungen von Frauen, die Munch zu den von Männern begehrten Madonnen stilisiert oder als „Vampyr“ oder „Harpye“ für diese auch eine Todesgefahr darstellen.

Die diesjährige Ausstellung zeigt Werke, die von einer Reihe von Museen und aus Privatsammlungen zur Verfügung gestellt werden. Es erscheint ein umfangreicher Katalog im HIRMER Verlag.

Edvard Munch
Der Schrei, 1895
Lithographie, 25,5 x 26,3 cm
Hamburger Kunsthalle/bpk
Foto: Christoph Irrgang
Edvard Munch
Kopf bei Kopf (Mann und Weib sich küssend), 1905
Farbholzschnitt, 59,5 x 77 cm
Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
Edvard Munch
Selbstbildnis nach links, 1912/13
Holzschnitt, 44,2 x 35,1 cm
Privatsammlung
Edvard Munch
Frauen am Meeresufer, 1898
Farbiger Holz- und Linolschnitt, 45,4 x 51,4 cm
Privatsammlung
Edvard Munch
Madonna, 1895/1902
Farbige Lithographie, 65 x 49 cm
Privatsammlung