Vergessene Moderne

Kunst in Deutschland zwischen den Weltkriegen

14. April bis 23. Juni 2019
Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus

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Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Situation der Bildenden Kunst in Deutschland, die sich nach den großen stilistischen Umwälzungen in den 1910er Jahren während der Weimarer Republik in vielfältiger Weise entwickelt hat. Auf Grundlage der modernen Bewegungen wie „Brücke“ oder „Blauer Reiter“ schuf eine neue Generation zumeist jüngerer Künstler Kunstwerke, die sich durch vielfältige Facetten auszeichneten und erfolgreich wahrgenommen wurden. Die gegenüber den Expressionisten eher jüngeren Künstlern, deren Kunst von den Nationalsozialisten ebenso als „entartet“ diffamiert wurde, gingen vielfach ins Exil oder in die innere Emigration, zerbrachen an der sie umgebenden Realität oder wurden als Juden in KZs ermordet.
Nach 1945 hatten es diese oftmals nur fragmentarisch erhaltenen Oeuvres in der Rezeption sehr schwer. Es waren nun die großen Namen des künstlerischen Aufbruchs nach der Jahrhundertwende und die Kunst der Meister am Bauhaus, die in ihrer Bedeutung an der Entstehung der modernen Kunst in Deutschland hervorgehoben wurden. Und es drängte mit dem Informel eine ganz neue, ungegenständliche Kunst in den Vordergrund, die radikal mit der Vergangenheit brach. Vor diesem Hintergrund wurde eine ganze Künstlergeneration der Moderne nahezu vergessen.
Unter dem Begriff „Expressiver Realismus“ wurde seit den 1970er Jahren an viele Künstler der sogenannten „verschollenen“ Generation erinnert und erfreulicherweise viele aus der völligen Vergessenheit geholt. Aber unter diesem Label war jedoch nur ein Teil dessen, was während der Jahre des Nationalsozialismus‘ in Deutschland künstlerisch verloren gegangen war, einzuordnen. Zahlreiche künstlerische Positionen, die sich weder aus dem Expressionismus oder dem Realismus entwickelt hatten, ließen und lassen sich bis heute nicht einfach kategorisieren. Werke auch von Bildhauern, Grafikern und Fotografen verkörperten vor 1939 eigenständige Positionen der Moderne, die bis heute vielfach nicht hinreichend gewürdigt wurden.
Die Internationalen Tage Ingelheim möchten 2019 an Künstlerinnen und Künstler dieser „Vergessenen Moderne“ erinnern und so auch neue, bislang weitgehend unbekannte Facetten in der Kunst zwischen den Weltkriegen in Deutschland aufzeigen. Dafür ausgewählt wurden der Fotograf Helmar Lerski, der Bildhauer Moissey Kogan, der Grafiker Paul Gangolf, der Maler Paul Kleinschmidt, die Malerin Anita Rée, der Bildhauer Jussuf Abbo, der Maler Karl Ballmer, der Zeichner Otto Pankok, die Malerin und Zeichnerin Elfriede Lohse-Wächtler und der Fotograf und Maler T. Lux Feininger.

Zu der Ingelheimer Ausstellung „Vergessene Moderne“ der Internationalen Tage erscheint ein umfangreicher Katalog.

Moissey Kogan (1879–1943)
Das goldene Zeitalter I
(Triptychon, rechte Tafel), 1908
Bronze
Privatbesitz

Karl Ballmer (1891–1958)
o.T. (Drei Figuren), 1933/34
Öl auf Leinwand
Privatbesitz

T. Lux Feininger (1910–2011)
Skippers daughter
Öl auf Leinwand
Privatbesitz