Emil Nolde
Die Grotesken

30. April – 9. Juli 2017
Eine Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim
zu Gast im Museum Wiesbaden.

Museum Wiesbaden >

Mit dem künstlerischen Werk von Emil Nolde verbinden sich immer sofort Vorstellungen von stark farbigen Blumengärten, wild aufgeregten Meereslandschaften unter dramatischen Wolkenformationen oder intensive Eindrücke von der berühmten Reise in die Südsee unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Weitestgehend unbekannt ist eine andere Facette in Noldes umfangreichen Werk: Das Phantastische und das Groteske. Dabei finden sich in seiner vierbändigen Autobiografie und in Briefen vielfältige Hinweise und Erläuterungen, die deutlich machen, dass sein künstlerisches Werk entscheidend durch sein subjektives Verhältnis zum Phantastischen und Grotesken beeinflusst und geprägt ist. Bereits sein erstes Ölgemälde, die Bergriesen von 1895/96, und die Reihe der Bergpostkarten, in denen Nolde Schweizer Bergen groteske menschliche Physiognomien gibt, und die ihn als bildenden Künstler noch vor der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert bekannt werden ließen, zeugen von Noldes intensivem Interesse am Phantastischen.
Von diesen Anfängen, denen 1905 die Mappe Grotesken mit Radierungen folgt, bis in die Jahre des Berufsverbots durch die Nationalsozialisten zieht sich in seinem Werk immer wieder die Abkehr von der Realität hin zu einer grotesken Gegenwelt. Diese zeigt sich besonders intensiv in den Aquarellen, die 1918 in Utenwarf und 1919 während eines Aufenthalts auf der Hallig Hooge entstehen. Auch in einer Reihe von Gemälden, die alle 1923 gemalt werden, entzieht sich Nolde einer klaren Interpretation und Lesbarkeit des Dargestellten. Zwischen 1931 und 1935 malt er mit den Phantasien eine Reihe großformatiger Aquarelle, die die sogenannten „Ungemalten Bilder“ vorbereiten, die vor allem während der Zeit des Berufsverbotes heimlich entstehen. In diesen findet Nolde häufig phantastische und groteske Bildkompositionen, die erst nach 1945 Gemälden als Grundlage dienen.
Die Ausstellung, die in enger Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll entsteht, umfasst über 20 Gemälde sowie ca. 90 Werke auf Papier, die zum Teil noch nie öffentlich in einer Ausstellung gezeigt wurden. Nach der Präsentation im Museum Wiesbaden wird diese Ausstellung vom 23. Juli bis zum 15. Oktober 2017 im Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See gezeigt.

Der Katalog, in dem alle ausgestellten Werke abgebildet sind, enthält Texte von Caroline Dieterich, Ulrich Luckhardt, Christian Ring, Daniel J. Schreiber und Roman Zieglgänsberger. Er erscheint im Verlag Hatje Cantz.

Da auch im Jahr 2017 das Alte Rathaus in Nieder-Ingelheim wegen einer Generalsanierung und Erweiterung für Ausstellungen nicht zur Verfügung steht, weichen die Internationalen Tage in das benachbarte Museum Wiesbaden aus, das uns dankenswerter Weise seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Museum Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
(vom Hauptbahnhof fußläufig erreichbar).
Öffnungszeiten:
Dienstag und Donnersrag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch 10 bis 17 Uhr,
Freitag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Montag geschlossen.

Anfang Mai 2018 werden wir Sie wie gewohnt mit einer neuen Ausstellung im vergrößerten und dann barrierefrei erreichbaren Alten Rathaus in Nieder-Ingelheim begrüßen können. Das Thema der Ausstellung der Internationalen Tage 2018 wird Ihnen rechtzeitig bekannt gegeben.

Frühmorgenflug, 1940
Öl auf Leinwand
© Nolde Stiftung Seebüll

Begegnung am Strand, 1920
Öl auf Leinwand
© Nolde Stiftung Seebüll

Alter Bärengeist über schlafendem König
Aquarell
© Nolde Stiftung Seebüll